Erste eigene Wohnung: Überlebenshilfe für den Start in die Unabhängigkeit

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Raus aus Hotel Mama, rein in die erste eigene Wohnung: Klingt gut, bedeutet aber einiges an Aufwand und Kosten. Möbel müssen gekauft, der Umzug organisiert, der Strom an- und die eigene Adresse umgemeldet werden. Studierende und Auszubildende können zudem oft finanzielle Unterstützung beantragen. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für den Weg in die eigenen vier Wände.

Erste eigene Wohnung, Auszug, Foto: Ivan Kruk/fotolia.com
Der Auszug in die erste eigene Wohnung bedeutet viel Arbeit – ist aber auch ein Schritt in die Eigenständigkeit. Foto: Ivan Kruk/fotolia.com

„Solange du die Füße unter meinen Tisch stellst…“ – Wer in die erste eigene Wohnung zieht, muss sich diesen Spruch nicht länger anhören. Doch auf dem Weg dahin müssen angehende Mieter einige Hürden überwinden. Mit dieser Checkliste gelingt der Einzug in die erste eigene Wohnung.

Die erste eigene Wohnung: Suchen und finden

Vier eigene Wände machen noch lange kein Zuhause. Damit sich angehende Mieter aber in der ersten eigenen Wohnung auf Dauer wohl fühlen, sollten sie sich vor der Suche einige Gedanken darüber machen, was ihnen beim Wohnen wichtig ist. Diese Fragen helfen, die Suche gezielter zu gestalten:

  • Will ich alleine oder mit anderen zusammen wohnen?
  • Wie groß soll die Wohnung sein?
  • Lieber im Parterre oder im Dachgeschoss?
  • Mit Balkon, Terrasse oder Garten?
  • Brauche ich einen Keller?
  • Benötige ich eine Garage oder einen Stellplatz für mein Auto?
  • Soll die Wohnung eine Einbauküche haben?
  • Soll das Bad mit Wanne sein?
  • Möchte ich ein Haustier halten?
  • Wie hoch sind Mietzins und Nebenkosten?
  • Wie hoch ist die Mietkaution?
  • Was brauche ich in meiner nächsten Umgebung (Einkaufsmöglichkeit, Park, Verkehrsverbindungen)?

Beim Stöbern in den Wohnungsanzeigen können Mieter aufgrund der Kriterien, die ihnen wichtig sind, eine erste Vorauswahl treffen.

Info

Wer unter 18 Jahre alt ist, kann in der Regel nur mit Zustimmung der Eltern von zu Hause ausziehen. Denn bis zum 18. Lebensjahr haben die Eltern das Aufenthaltsbestimmungsrecht und dürfen festlegen, wo der Auszugswillige wohnt. Jugendliche mit Auszugsplänen sollten darum stets versuchen, ihre Eltern bei mit ins Boot zu holen – zumal ein Alleingang spätestens am Mietvertrag scheitern könnte: Den können sie nur mit Zustimmung der Eltern unterschreiben.

Ob man sich in der Wohnung wohl fühlt, merkt man aber erst vor Ort. Im nächsten Schritt sollten Auszugswillige darum den Anbieter kontaktieren und einen Besichtigungstermin vereinbaren. Müssen sie dafür ein Anmeldeformular ausfüllen, sollten sie es möglichst sauber, verständlich und vollständig tun.

Wohnungsbesichtigung

Wohnungsbesichtigung, Foto: iStock/Solstock
Hilfreich: Nachfragen, genau hinschauen – und auf die Wohnungsbesichtigung am besten eine zweite Person mitnehmen. Foto: iStock/Solstock

Bei der Wohnungsbesichtigung haben Mietinteressenten die Gelegenheit, alles über die Mietwohnung zu erfahren, was sie interessiert. Fragen ist also erlaubt. Daneben sollten sie aber auch aufmerksam darauf achten, in welchem Zustand die Wohnung ist – zum Beispiel, ob es Kratzer im Parkett gibt, Türgriffe defekt sind oder es durchs Fenster zieht. Kleine Mängel sollten sie sich auf jeden Fall merken, und später im Wohnungsabnahmeprotokoll schriftlich festhalten. Daneben sollten sie auch darauf achten, ob der Schnitt und die Größe der Wohnung zu den eigenen Bedürfnissen passt, und ob Gegebenheiten vorhanden sind, die sie auf Dauer stören könnten – wie das Geräusch vorbeifahrender Fahrzeuge, das laut durch die Wände dringt, oder dass in viele Zimmer nachmittags kaum Sonne hineingelangt.

Damit bei den vielen Eindrücken nichts übersehen oder vergessen wird, lohnt es sich oft, eine zweite Person mitzunehmen.

Bewerbungsformular für die Wohnung

Bewerbungsformular, Wohnungssuche, Foto: Green Chameleon/unsplash.com
Am Bewerbungsformular führt bei der Wohnungssuche kaum ein Weg vorbei. Foto: Green Chameleon/unsplash.com

Wohnungssuchende erhalten in den meisten Fällen ein Bewerbungsformular vom Vermieter, das sie ausfüllen können. Zum Ausfüllen dieser Art Selbstauskunft sind sie zwar nicht verpflichtet, doch erhöht es ihre Chance auf die Wohnung. Wer sie ausfüllt, sollte die Wohnung aber auch wirklich wollen: Rücktritte sind zum Teil gebührenpflichtig. Selbst wenn nicht explizit danach gefragt wird, hilft zudem:

  • Ein Betreiberregisterauszug: Damit kann der Wohnungssuchende seine Zahlungsfähigkeit beweisen.
  • Ein freundliches Begleitschreiben: Wer begründen kann, warum er an einer Wohnung besonders interessiert ist, kann beim Vermieter punkten.
  • Referenzen vom Chef oder Lehrmeister: Wohnungssuchende sollten diese fragen, ob sie sie als Referenz angeben dürfen – auch das wirkt zuverlässig.
Link-Tipp

Auf welche Fragen müssen Sie in antworten, auf welche nicht – und wann dürfen Sie lügen? Die Antworten dazu lesen Sie im Artikel zur Mieterselbstauskunft.

Zusage und Mietvertrag

Passt die Wohnung, und der Vermieter stimmt zu, geht es an die Unterzeichnung des Mietvertrages. Hier sollten Wohnungssuchende noch einmal genau hinschauen:

  • Mietzins und Nebenkosten sollten laut Faustregel nicht mehr als 30 Prozent des eigenen Einkommens ausmachen.
  • Nebenkosten müssen Mieter nur zahlen, wenn dies ausdrücklich vereinbart wurde.
  • Ein Mietzinsdepot, auch Mietkaution genannt, muss nur geleistet werden, wenn dies ausdrücklich vereinbart ist. Es darf nicht mehr als drei Monatskaltmieten betragen, inklusive Nebenkosten.
  • Der Mietvertrag kann befristet oder unbefristet abgeschlossen werden.
  • Die entsprechenden Kündigungsfristen und -termine sind meist im Mietvertrag festgelegt. Steht dazu nichts im Mietvertrag, gelten die kantonalen Kündigungstermine.
Link-Tipp

Was sollte im Mietvertrag geregelt sein? Lesen Sie hier die fünf wichtigsten Inhalte im Mietvertrag.

Wohnungsübernahme

Wohnungsübernahme, Schlüssel, Schäden, Foto: Tom Bayer/fotolia.com
Bei der Wohnungsübernahme bekommt der Mieter die Schlüssel überreicht – sollte sich aber auch Zeit nehmen, allfällige Schäden festzuhalten. Foto: Tom Bayer/fotolia.com

Ist der Mietvertrag unterschrieben, folgt bald darauf die Wohnungsübernahme. Dabei bekommt der Mieter die Schlüssel für die Wohnung überreicht und sollte zusammen mit dem Vermieter noch einmal Raum für Raum die Wohnung durchgehen. Allfällige Schäden, aber auch die Anzahl der Schlüssel oder die Zählerstände von Gas und Wasser sollten sie in einem Wohnungsabnahmeprotokoll festhalten. Wem nach der Wohnungsübergabe noch Schäden auffallen, der sollte sich ranhalten: Innerhalb von 14 Tagen kann der neue Mieter diese in der Regel noch nachmelden – für nicht aufgeführte Mängel kann er haftbar gemacht werden.

Link-Tipp

Hier können Sie kostenfrei ihr eigenes Wohnungsabnahmeprotokoll herunterladen.
 

Ersteinrichtung planen: Checkliste für die erste Wohnung

Erste eigene Wohnung, Ersteinrichtung, Foto: mariesacha/fotolia.com
Für die erste eigene Wohnung braucht es weit mehr als einen Tisch und einen Stuhl – die Ersteinrichtung will gut geplant sein. Foto: mariesacha/fotolia.com

Mikrowelle, Dosenöffner, Handtücher: Oft merkt man erst in der neuen Wohnung, dass etwas fehlt – nämlich gerade dann, wenn man es braucht. Daher lohnt es sich, vor dem Einzug eine Bestandsaufnahme zu machen. Wer mit seinem Partner zusammen zieht oder in eine Wohngemeinschaft, sollte mit seinen künftigen Mitbewohnern absprechen, wer was mitbringt und was noch fehlt.

Ein Herd und ein Kühlschrank machen noch lange keine Küche. Wer richtig kochen und backen will, braucht neben ein paar Pfannen viele weitere Küchenutensilien:

  • Ofenhandschuhe
  • Pfannenwender
  • Kochlöffel
  • Messer
  • Auflauf- und Backformen
  • Küchenwaage
  • Schüsseln
  • Teller (gross, klein, Suppenteller)
  • Besteckset

Beim Einkauf sollte man zudem schon an den ersten Besuch denken: Dann braucht es oft mehr als zwei Gläser und Teller. Das Besteck und Geschirrset sollten für mindestens sechs Personen reichen.

Wenn Lust und Zeit zum Kochen fehlen, kommen zudem oft Elektrokleingeräte wie Mikrowelle oder Toaster zum Einsatz. Wer morgens erst nach einer Tasse Tee oder Kaffee wach wird, für den gehören ein Wasserkocher oder die Kaffeemaschine zur Grundausrüstung.

Damit das Bad ausreichend ausgestattet ist, braucht es neben ausreichend Handtüchern oft:

  • Seifenhalter oder –spender
  • Fön
  • WC-Bürste
  • Duschvorhang
  • Badteppich

Ein Bett und eine Möglichkeit, Klamotten unterzubringen, gehören im Schlafzimmer zur Ersteinrichtung. Auch Kleinigkeiten wie eine Nachttischlampe und ausreichend Kleiderbügel für den Schrank sollten dabei nicht vergessen werden.

Wer das Wasch- und Putzarsenal seiner Eltern nicht einfach plündern darf, kann sich vor dem Auszug daran orientieren, welche Mittel und Gegenstände bei den Eltern im Schrank stehen. Dazu gehören: Reinigungsmittel, Putzeimer und -tücher, Besen, Staubsauger, Bügelbrett und Bügeleisen, Wäschekorb und -ständer. Eine eigene Waschmaschine ist sicherlich eine sinnvolle Investition.

Ärmel hochkrempeln, bohren und schrauben gehört mit zum Einzug in die erste eigene Wohnung. Darum sollten im Gepäck ausreichend Steckdosenleisten und Verlängerungskabel sein, sowie Glühbirnen und Lampen. Damit mit dem Einrichten gleich losgelegt werden kann, sollten im Werkzeugkoffer ausserdem sein:

  • Wasserwage
  • Zollstock
  • Schrauben, Nägel, Dübel
  • Schraubenzieher (Kreuz und Schlitz)
  • Spannungsprüfer
  • Inbusschlüssel
  • Hammer
  • Bohrer
  • Zange
  • Cutter

Möbelstellplan erstellen

Wenn das grosszügige Sofa nicht in die Ecke im Wohnzimmer passt, ist das ärgerlich. Bevor sich Mieter an den Umzug machen, lohnt es sich darum oft, einen Möbelstellplan zu erstellen. Auf diesem können Mieter grössere Möbel einzeichnen und verschiedene Konstellationen durchprobieren – ganz ohne überflüssiges Schleppen, Verrutschen oder Auseinanderschrauben. Hilfreich können hier auch Apps sein – wie zum Beispiel MagicPlan, das für iOS und Android in der Basisversion kostenlos ist. Will man den einzelnen Grundriss als Datei exportieren, kostet das allerdings.

Umzug organisieren

erste eigene Wohnung, Umzug, Foto: iStock/franckreporter
Wer den Umzug in die erste eigene Wohnung gut plant und genug Helfer hat, kann entspannt umziehen. Foto: iStock/franckreporter

Viele junge Mieter stemmen ihren Umzug aus eigener Kraft: Das schont zwar nicht die Muskeln, und kostet Zeit – dafür spart man aber oft am Geld. Mit nur wenigen schweren Möbeln und ein paar hilfsbereiten Freunden kann man so oft einfacher umziehen.

Ist der neue Wohnort jedoch weiter entfernt, oder die Wohnung liegt im vierten Stock, können Mieter sich mit einem Umzugsunternehmen viel Aufwand sparen.

Papierkram erledigen: An- und Ummelden nicht vergessen

Kaum sind die Kisten in der neuen Wohnung, folgt der Papierkram. In den meisten Gemeinden müssen sich Mieter persönlich ab- und anmelden. Die Anmeldung in der neuen Wohngemeinde muss innerhalb von 14 Tagen erfolgen, in der Regel werden dafür folgende Unterlagen benötigt:

  • Heimatschein, individuell oder für Paare
  • Allenfalls Krankenkassenkarte oder Versicherungsnachweis der aktuellen Krankenversicherungs-Police
  • Wer Kinder hat: Familienbüchlein oder Familienausweis
  • Minderjährige: Einverständniserklärung der Eltern für den Umzug

Wer einen Hund besitzt, muss auch diesen bei der alten Wohngemeinde ab- und der neuen anmelden.

Link-Tipp

Umzug planen, aber richtig: Hier finden Sie Tipps und Checklisten für Ihren Umzug sowie fürs An- und Ummelden.

Finanzielle Unterstützung für die erste eigene Wohnung

Förderung, Finanzierung, Auszubildende, Studierende, Foto: Konstantin Yuganov/fotolia.com
Studierende, Schüler und Auszubildende in der Schweiz können einmalige oder wiederkehrende Unterstützungsbeiträge beantragen, in Form von staatlichen Stipendien oder Bildungs-Darlehen. Foto: Konstantin Yuganov/fotolia.com

Die erste eigene Wohnung ist mit einigen Kosten verbunden – doch für junge Mieter gibt es Möglichkeiten für finanzielle Unterstützung in Form von kantonalen Stipendien und Bildungs-Darlehen oder von privaten Stiftungen. Die erste Anlaufstelle hierfür sind die kantonalen Stipendiendienststellen, denn diese sind für die Vergabe der staatlichen Förderung zuständig, verfügen aber auch über die Adressen von Stiftungen und privaten Fonds.

Auf die staatliche Förderung haben Schüler, Studierende und Auszubildende unter bestimmten Voraussetzungen ein Anrecht, etwa bei geringem Einkommen oder Vermögen der Eltern. Wer ein kantonales Stipendium erhält, bekommt einmalig oder wiederkehrend Bildungsbeiträge gezahlt und muss diese nicht zurückzahlen. In einigen Kantonen wird jedoch darauf hingewiesen, dass von den Geförderten erwartet wird, dass sie die Stipendien vollständig oder teilweise zurückzahlen, wenn sie später in guten Verhältnissen leben. Daneben gibt es auch Bildungs-Darlehen: Diese werden anders als die Stipendien verzinst, und müssen später zurückgezahlt werden.

Unterstützt wird, wer sich in einer nachobligatorischen Erstausbildung befindet, die zu einem staatlich anerkannten Abschluss führt:

  • Schüler der Sekundarstufe wie Gymnasium oder Berufsschule
  • Studierende der Tertiärstufe, die an der Universität oder Fachhochschule studieren

In einigen Kantonen gibt es auch für die Zweitausbildung, sowie Aus- und Weiterbildung Darlehen oder Stipendien.

Info

Jeder Kanton regelt die Gesetze und Verordnungen zur Vergabe der Stipendien selbst. Die Gesuche müssen in der Regel schriftlich eingereicht werden, die Formulare sind bei der zuständigen Stipendienstelle erhältlich.

Auszug in die Eigenständigkeit – gerne mit Unterstützung

Der Weg in die erste eigene Wohnung ist mit einigem Aufwand verbunden. Auch wenn der Auszug ein grosser Schritt in Richtung Eigenständigkeit ist, sollten Mieter nicht zögern, sich dabei Hilfe mit an Bord holen – sei es von Verwandten, Eltern oder Freunden. Gerade bei Wohnungsbesichtigung, Wohnungsübergabe und Umzug kann das sehr hilfreich sein. Bei komplizierteren Mietfragen können zudem oft Mietervereine weiterhelfen.

Link-Tipp

Was Mieter dürfen, müssen, und wo die Grenzen sind: Hier finden Sie alles, was Sie als Mieter wissen müssen.

16.08.2017


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