Mieterselbstauskunft: Wann Mieter lügen dürfen

Lesermeinungen:  

(0)

Vermieter können von Mietinteressenten eine Mieterselbstauskunft verlangen. Mieter müssen aber nichts persönliches offenbaren, sondern nur Informationen preisgeben, die ihre Zuverlässigkeit belegen. Die Bonität des Mietinteressenten kann ausserhalb mit der Selbstauskunft einer Wirtschaftsauskunftei abgeklärt werden.

Mieterselbstauskunft, Foto: istock.com/mediaphotos
Die Selbstauskunft eines Mietinteressenten ist für Vermieter essentiell. Sie gibt Auskunft über die Bonität des Geschäftspartners. Foto: istock.com/mediaphotos

Dass Vermieter eine Selbstauskunft von Mietinteressenten verlangen, ist legitim. Dabei müssen Mieter allerdings nicht alle Fragen wahrheitsgemäss beantworten. Wahrheitstreue ist nur bei solchen Fragen Pflicht, die im Zusammenhang mit dem Mietverhältnis relevant sind. Bei Fragen zum Beispiel zur Mitgliedschaft in bestimmten Vereinen oder etwaigen Krankheiten darf der Mietinteressent ungestraft lügen. Ein Interesse des Vermieters an richtigen Informationen liegt bei allen Fragen vor, die das Mietverhältnis betreffen können – also beispielsweise die Höhe des Einkommens und damit die Bonität des Mieters. Wer auf Nummer sicher gehen will, verlangt vom Mietinteressenten zudem eine Selbstauskunft einer Wirtschaftsauskunftei.

Keine Pflicht zur Mieterselbstauskunft

Mieterselbstauskunft, Foto: PhotographyByMK/fotolia.com
Ein Vermieter darf mit einer Mieterselbstauskunft nicht jede beliebige Information abfragen.

Mieter sind nicht verpflichtet, eine Selbstauskunft auszufüllen. Vermieter wollen ihrerseits aber in der Regel sichergehen, dass der zukünftige Mieter seinen Mietzins regelmässig zahlt. Im Zweifel wird der Vermieter sich eher für den Mietinteressenten entscheiden, dessen Bonität er besser einschätzen kann. Wer als Mieter eine gute Bonität nachweisen kann, hat somit einen gewissen Vorteil.

Vermieter verwenden derzeit unterschiedliche Anmeldeformulare für Wohnungen – standardisierte Varianten gibt es nicht. Allerdings sind auf solchen Formularen nur bestimmte Fragen erlaubt.

Das dürfen Vermieter im Anmeldeformular fragen

Vermieter dürfen nur solche Auskünfte erfragen, die sie für die Auswahl des Mieters nach objektiven Kriterien auch tatsächlich brauchen. Zudem müssen sie sicherstellen, dass die erhobenen Daten nur für solche Personen zugänglich sind, die auch tatsächlich die Auswahl der Mieter treffen. Die Eidgenössische Datenschutzkommission hat Empfehlungen erlassen, welche Fragen unter welchen Voraussetzungen aus datenschutzrechtlicher Sicht zulässig sind und welche nicht. Bei allen Fragen gilt: Mieter müssen darauf nicht zwangsläufig antworten, schmälern durch ihr Schweigen aber im Zweifel ihre Chance auf die Wohnung.

Danach dürfen Vermieter fragen:

  • Name, Adresse, Geburtsdatum, Beruf und Arbeitgeber
  • Schweizer oder Ausländer – bei Ausländern zudem die Art der Aufenthaltsbewilligung und wann diese abläuft.
  • Wer sonst noch in der Wohnung wohnen wird, den Mietvertrag aber nicht mit unterzeichnet, also etwa Kinder oder Ehepartner.
  • Geplanter Untermietvertrag
  • Ungefähres Jahreseinkommen, zum Beispiel in Form von Einkommenskategorien mit einer Obergrenze wie 10‘000 Schritte bis zu 100‘000 Fragen. Alternativ: Frage nach dem Verhältnis zwischen Miete und Einkommen.
  • Betreibungen innerhalb der vergangenen zwei Jahre oder Verlustscheine
  • Information, ob die bisherige Wohnung durch den Vermieter gekündigt wurde und wenn ja, warum.

Diese Fragen dürfen Vermieter unter bestimmten Voraussetzungen stellen

Es gibt einige Fragen, die Vermieter nur in bestimmten Fällen stellen dürfen. Das kann zum Beispiel auch sein, wenn sie dazu verpflichtet sind, die entsprechenden Informationen einzuholen. Etwa, weil sie sie einer Behörde melden müssen oder aufgrund einer statuarischen Zielsetzung der Liegenschaftsverwaltung. Dabei handelt es sich um folgende Informationen:

  • Angaben, die der Abklärung der finanziellen Verhältnisse des Mietinteressenten dienen, also beispielsweise ein Einkommensnachweis. Einige andere Angaben zur finanziellen Situation dürfen Vermieter jedoch nicht erfragen.
  • Einen Betreibungsregisterauszug oder eine Betreibungsauskunft dürfen Vermieter erst beim Abschluss des Mietvertrags verlangen.
  • Die Frage nach Haustieren, wobei hier differenziert werden sollte, um welche Art der Haustiere es sich handelt. So sind Kleintiere in der Regel erlaubt, danach zu fragen ergibt also in der Regel keinen Sinn.
  • Die Frage nach Musikinstrumenten ist in der Regel zulässig, allerdings sollte es schon einen spezifischen Grund für die Frage geben – beispielsweise ein schlechter Schallschutz oder ein besonderes Ruhebedürfnis der Nachbarn.

Grundsätzlich unzulässige Fragen: Dann dürfen Mieter lügen

Mieterselbstauskunft, Lüge, Foto: sasinparaksa/fotolia.com
Bei bestimmten Fragen müssen Mieter nicht wahrheitsgemäss antworten.

Schliesslich gibt es eine Reihe von Fragen, die der Vermieter gar nicht stellen darf. Mieter dürfen hier im Zweifel lügen, ohne weitere Konsequenzen fürchten zu müssen. Dazu gehören:

  • Angaben zur finanziellen Situation, die für die Auswahl des Mieters nicht relevant sind, also etwa Informationen über Leasingverträge oder Restschulden
  • Einschätzung über das Preis-/Leistungsverhältnis der Wohnung
  • Mitgliedschaft in einer Mieterorganisation wie dem schweizerischen Mieterinnen- und Mieterverband
  • Interesse an einem Versicherungsvertrag mit der vermietenden Liegenschaftsverwaltung
  • Chronische Krankheiten
  • Die Frage, ob der Mieter aufgrund der Wohnungsmarktsituation zum Abschluss des Mietvertrags gezwungen ist.
  • Die Konfession
  • Zivilstand und Datum von Hochzeit, Trennung oder Scheidung
  • Nationalität. Zulässig ist dagegen die Frage, ob jemand eine Schweizer oder ausländische Staatsangehörigkeit besitzt, in Verbindung mit der Frage nach der Aufenthaltsbewilligung und deren Ablaufdatum.
  • Dauer des aktuellen Wohnverhältnisses
  • Gegenwärtiger Mietzins
  • Name der jetzigen Verwaltung

Auf Nummer Sicher: Selbstauskunft einer Wirtschaftsauskunftei

Abgesehen von den Fragen im Anmeldeformular gibt es für Vermieter noch weitere Möglichkeiten, die Risiken bei der Mietersuche zu minimieren. Wirtschaftsauskunfteien wie Bisnode oder CRIF archivieren zahlreiche Verbraucherdaten über deren Bonität. Dabei arbeiten sie mit Handelsunternehmen und Banken zusammen. Wenn ein Verbraucher beispielsweise seinen Verpflichtungen nicht nachkommt und fällige Darlehensraten oder Mobilfunkrechnungen nicht zahlt, dokumentieren die Wirtschaftsauskunfteien dies und berechnen aus diesen Daten einen sogenannten Score. Dieser gibt Auskunft darüber, ob er eine gute oder schlechte Bonität hat. Vermieter können sich die Datensammlung der Auskunfteien zunutze machen und Mietinteressenten um eine Selbstauskunft für Vermieter bitten. Diese fordert der Mieter bei der Auskunftei an und legt sie seinem potenziellen Vermieter vor.

Mietschuldenfreiheitsbescheinigung vom Vormieter

Mieterselbstauskunft, Foto: iStock.com/Portra
Eine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung hilft Vermietern, die Bonität von Mietinteressenten besser einzuschätzen. Foto: iStock.com/Portra

Eine weitere Möglichkeit, die Bonität eines potenziellen Mieters abzuklären, ist es, diesen um eine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung seines bisherigen Vermieters zu bitten. Dabei gilt es allerdings zu beachten, dass der Vorvermieter keine Pflicht hat, eine solche Bescheinigung auszustellen. Deshalb ist es kein Indiz für eine schlechte Bonität, wenn der Interessent eine solche Bescheinigung nicht vorlegen kann. Legt er sie allerdings vor, weiss der Vermieter, dass sein neuer Mieter zumindest bisher seinen Verpflichtungen nachkam.

Mit sachlichen Fragen sind Vermieter auf der sicheren Seite

Vermieter können sich von Mietinteressenten eine Selbstauskunft, das Scoring einer Wirtschaftsauskunftei oder eine Mietschuldenfreiheitsbescheinigung vom Vorvermieter vorlegen lassen, um sicher zu gehen, dass der neue Mieter seine Rechnungen auch zuverlässig zahlt. Weil immer wieder Vermieter durch unzuverlässige Mieter oder gar Mietnomaden geschädigt werden, ist dies auch dringend zu empfehlen. Manche Fragen gehen aber zu sehr ins Private – hier dürfen Mietinteressenten jederzeit zur Lüge greifen.

26.04.2019


Ihre Meinung zählt

(0)
0 von 5 Sternen
5 Sterne
 
0
4 Sterne
 
0
3 Sterne
 
0
2 Sterne
 
0
1 Stern
 
0
Ihre Bewertung:

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren

Neuen Kommentar schreiben

2 Kommentare

Victor am 12.02.2019 14:59

Danke für die Antwort.

Was meinen Sie mit "Wirtschaftsauskunftei"?

Ein Auszug aus einem Betreibungsregisteramt?

Wohl nicht, oder?

Mit Scoring ist doch aber wiederum die Bonität gemeint.

Und in der Bonität hat es doch oft auch andere,... mehr

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 12.02.2019 15:09

Zumindest bei der Wohnungsbesichtigung selbst dürfen Vermieter noch keinen Betreibungsauszug verlangen, sondern eben erst dann, wenn sie diesen auch tatsächlich brauchen. Laut Eidgenössischem Datenschutzbeauftragten ist das erst beim... mehr

Victor am 12.02.2019 14:01

Ich weiss nicht ob ich alles verstanden habe.

Dürfen also Vermieter keine Bonität durchführen?

Ich meine mich würde das nicht stören.

Aber das hat mich schon recht lange mal interessiert.

Ich dachte immer das machrm die sowieso.

Ich... mehr

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 12.02.2019 14:11

Hallo Victor und vielen Dank für Ihren Kommentar,

Vermieter dürfen sich von Mietinteressenten nur diejenigen Informationen geben lassen, die sie nach objektiven Kriterien auch brauchen. Angaben zur finanziellen Situation, die für die... mehr