Wohnungsschlüssel: Wie viele der Mieter bekommt – und was passiert, wenn er sie verliert

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Bei der Wohnungsübergabe händigt der Vermieter dem Mieter die Schlüssel für die neue Wohnung aus – mal mehr, mal weniger. Häufig wissen Mieter gar nicht, ob ihnen mehr als ein Wohnungsschlüssel zusteht und ob sie noch weitere verlangen können. Diese Rechte haben Mieter.

Wohnungsschlüssel, Vermieter, Foto: iStock.com/sundaemorning
Beim Einzug in die neue Wohnung muss der Mieter vom Vermieter sämtliche Wohnungsschlüssel bekommen. Foto: iStock.com/sundaemorning

Wenn Mieter eine neue Wohnung gefunden haben, ist die Freude gross. Mit der Schlüsselübergabe können sie endlich ins neue Zuhause einziehen. Dennoch sollten Mieter aufmerksam sein, wenn sie die Schlüssel vom Vermieter bekommen und prüfen, wie viele Wohnungsschlüssel der Vermieter ihnen aushängt. Grundsätzlich gilt, dass der Vermieter dem Mieter alle Schlüssel zur Mietsache übergeben muss, behalten darf er keine. Aber welche Anzahl an Wohnungsschlüsseln steht dem Mieter zu? Und was passiert, wenn er mehr benötigt als er bekommen hat?

Pro Bewohner mindestens einen Wohnungsschlüssel

„Grundsätzlich gilt, dass so viele Schlüssel ausgehändigt werden sollten, wie Personen in der Wohnung leben“, sagt Rechtsanwältin lic. iur. Olivia Sieber von der Kanzlei Peyer Partner Rechtsanwälte in Zürich. Bei einer Familie müsse also je ein Schlüsselsatz für die Eltern und für jedes Kind ausgehändigt werden, zumindest dann, wenn die Kinder alt genug sind, um die Wohnung alleine zu verlassen. Eine Ausnahme bilden Einpersonenhaushalte. „Hier besteht ein Anspruch auf mindestens zwei Schlüsselsätze“, so Sieber.

Mehr Schlüssel benötigt – aber stehen sie dem Mieter zu?

Foto: lic. iur. Olivia Sieber
Werden zusätzliche Schlüssel benötigt, empfiehlt lic. iur. Olivia Sieber das offene Gespräch mit dem Vermieter. Foto: lic. iur. Olivia Sieber

Der Mieter bekommt beim Einzug sämtliche vorhandenen Schlüssel vom Vermieter. Dazu zählen laut Sieber nicht nur Haus- und Wohnungsschlüssel, sondern auch Schlüssel für Briefkasten, Keller oder Dachboden. Häufig benötigen Mieter aber noch mehr Schlüssel als sie beim Einzug bekommen haben, beispielsweise für eine Putzkraft oder den Nachbarn, der in der Urlaubszeit die Katze füttert. Einfach so nachmachen lassen dürfen Mieter die Schlüssel aber nicht, sie müssen den Vermieter um Erlaubnis bitten und die Kosten dafür selbst tragen.

„Wenn der Mieter einen weiteren Schlüssel braucht, empfiehlt es sich, diesbezüglich offen auf den Vermieter zuzugehen“, so Sieber. Dieser könnte zwar theoretisch sein Einverständnis verweigern, in der Regel gibt es dafür aber keinen Grund. „Ein transparentes Vorgehen schafft Klarheit und Sicherheit für beide Seiten und das ist der beste Schutz vor zukünftigen Streitigkeiten“, sagt die Rechtsanwältin.

Schlüsselverlust: verlegt, verloren, geklaut – und jetzt?

Egal, ob der Schlüssel im Schloss abgebrochen ist oder ein Dieb sich die Handtasche samt Schlüsselbund geschnappt hat: Der Mieter muss seinen Vermieter immer informieren, wenn ein Wohnungsschlüssel fehlt. Für das Nachmachen des Schlüssels muss der Mieter auf jeden Fall aufkommen. Ob er auch ein neues Schloss bezahlen muss, hängt davon ab, ob es auch tatsächlich ausgetauscht werden muss. „Könnte ein Finder den Schlüssel der Liegenschaft zuordnen, weil beispielsweise auf einem Schlüsselanhänger die Adresse ersichtlich ist, müssen die Schlösser getauscht werden, um zu verhindern, dass jemand sich unberechtigt Zutritt zur Liegenschaft verschafft“, sagt Sieber. Könne ein Finder den Schlüssel der Liegenschaft aber nicht zuordnen, bestünde auch keine Notwendigkeit, das Schloss auszutauschen. „In diesem Fall muss der Vermieter die Kosten des Schlosswechsels selbst tragen, wenn er es wechseln möchte“, erklärt die Anwältin.

Bei Auszug: Wohnungsschlüssel persönlich übergeben

Mieter, Wohnungsschlüssel, Vertragsende, Foto: rawpixel/unsplash.com
Mieter sollten ihre Wohnungsschlüssel bei Mietvertragsende immer persönlich übergeben. Foto: rawpixel/unsplash.com

Beim Auszug muss der Mieter dem Vermieter sämtliche Schlüssel übergeben. Auch solche, die er mit Zustimmung des Vermieters zusätzlich hat anfertigen lassen. In der Regel sollte diese Übergabe persönlich erfolgen, auch um späteren Streitigkeiten vorzubeugen. „Da im Streitfall der Mieter beweisen muss, dass er die Schlüssel und damit die Wohnung dem Vermieter gehörig zurückgegeben hat, empfiehlt es sich nicht, die Schlüssel einfach in den Briefkasten zu werfen“, so Sieber. Am einfachsten sei es, die Schlüssel bei der Wohnungsrückgabe dem Vermieter persönlich in die Hand zu drücken und sich die Rückgabe schriftlich bestätigen zu lassen, zum Beispiel auch in einem Wohnungsübergabeprotokoll. Nur wenn die Schlüssel dem Vermieter gar nicht persönlich ausgehändigt werden können, sollten sie per eingeschriebener Postsendung retourniert werden.

Schwierig wird es immer dann, wenn der Vermieter sich schlichtweg weigert, die Schlüssel entgegenzunehmen – beispielsweise, weil er der Auffassung ist, dass der Mieter noch bestimmte Reparaturen an der Wohnung durchführen muss. „In diesem Fall kann der Mieter den Schlüssel für den Vermieter bei Gericht hinterlegen“, sagt Sieber. Solche Vorgänge sind am Ende eines Mietverhältnisses aber eher die Ausnahme. In der Regel verläuft die Schlüsselübergabe reibungslos und Mieter und Vermieter gehen in Frieden auseinander.

Link-Tipp

Halten Sie beim Ein- und Auszug die Zahl der übergebenen Wohnungsschlüssel fest: hier geht’s zum kostenlosen Wohnungsübergabeprotokoll.


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