Haustiere in der Mietwohnung: Das letzte Wort hat meist der Vermieter

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Ob Hamster, Dackel, Papagei oder Schlange – viele Mieter haben Haustiere. Diese sollen natürlich auch bei einem Umzug mitkommen. Nicht alle Vermieter sind jedoch damit einverstanden. Ob Mieter ein Haustier halten dürfen, hängt zunächst von den Vereinbarungen im Mietvertrag ab – aber auch von dem Tier selbst.

Haustiere, Mietwohnung, Büsi, Katze, Foto: ysbrandcosijn/fotolia.com
Damit das Büsi in der Mietwohnung gehalten werden darf, muss der Mietvertrag bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Foto: ysbrandcosijn/fotolia.com

Büsi oder Hund, Kaninchen oder Mini-Schwein: Wenn der Mieter sich für ein Haustier entscheidet, steht er unmittelbar vor der Frage, ob er es in der Wohnung halten darf – und was der Vermieter davon hält, dass ein tierischer Bewohner mit einzieht. Denn der kann die Tierhaltung durch den Mietvertrag von seiner Zustimmung abhängig machen und darf ein Tier unter Umständen auch ablehnen. Ob das möglich ist, hängt im Wesentlichen von der Vereinbarung im Mietvertrag ab.

Möglichkeit 1: Mietvertrag enthält keine Regelung zu Haustieren

Haustiere, Mietwohnung, Grafik: immowelt.ch

Enthält ein Mietvertrag überhaupt keine Regelung zur Haustierhaltung, dürfen Mieter generell Haustiere halten. Es gibt aber Ausnahmen für aussergewöhnliche Arten, die andere Mieter stören oder gefährden könnten. Gegen zehn Würgeschlangen könnte ein Vermieter also durchaus berechtigte Einwände haben – und verlangen, dass der Mieter diese wieder loswird. Welche Tiere genau besonders gefährlich oder störend sind ist dabei gesetzlich nicht definiert. Im Streitfall würden Gerichte stets den Einzelfall prüfen.

Möglichkeit 2: Mietvertrag macht Haustierhaltung vom Vermieter abhängig

Haustiere, Mietwohnung, Grafik: immowelt.ch

Die meisten Mietverträge in der Schweiz machen die Haustierhaltung von der Zustimmung des Vermieters abhängig. Eine solche Klausel ist grundsätzlich wirksam und der Vermieter kann nach Anfrage des Mieters auch seine Einwilligung verweigern, ohne dass er das begründen müsste. Stimmt der Vermieter zu, kann er die eine einmal erteilte Zustimmung zu einem Haustier zudem auch wieder zurückziehen: Dafür muss er aber einen guten Grund nennen.

Eine Ausnahme gibt es für sogenannte Kleintiere – diese sind grundsätzlich immer erlaubt und Mieter müssen für ihre Haltung nicht die Zustimmung des Vermieters einholen. Was genau ein Kleintier ist, ist gesetzlich nicht definiert. In der Regel zählen hierzu beispielsweise Zierfische, Wellensittiche, Hamster oder Meerschweinchen – also solche Tiere, die innerhalb eines Käfigs gehalten werden können. Ob Katzen oder Hunde auch dazu zählen, ist letztlich nicht eindeutig geklärt – Katzen, die die Wohnung nicht verlassen werden aber oft auch als unproblematische Kleintiere betrachtet. Doch selbst wenn es sich um ein Kleintier handelt, ist Vorsicht geboten: Gegen eine Sittichzucht mit 50 Tieren, deren Gezwitscher die Nachbarn nachts wachhält, könnte ein Vermieter vor Gericht unter Umständen berechtigte Einwände geltend machen.

Praxis-Tipp

Wer als Vermieter die Heimtierhaltung einschränken möchte, kann das relativ unkompliziert machen: mit dem Formular „Vereinbarung über die Heimtierhaltung“ als Zusatz zum Mietvertrag. Das Formular gibt es zum Download beim Institut für interdisziplinäre Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung.

Möglichkeit 3: Mietvertrag verbietet Heimtiere

Haustiere, Mietwohnung, Grafik: immowelt.ch

Ein Recht auf die Haltung von Kleintieren haben Mieter aber auch in diesem Fall. Sie können trotz einer solchen Regelung den Vermieter auch um die Erlaubnis bitten, einen Hund oder eine Katze zu halten. Dieser kann die Haustierhaltung ausnahmsweise gestatten – oder aber auch hier seine Einwilligung verweigern.

Verstoss gegen das Haustierverbot

Sind Haustiere laut Mietvertrag nicht gestattet oder hat der Vermieter sie auch auf Anfrage nicht erlaubt, sollten Mieter sich darüber nicht hinwegsetzen. Wer trotz ausdrücklichem Verbot einen Hund oder ein Büsi hält, riskiert eine Abmahnung oder gar die Kündigung. Denn der Vermieter könnte damit argumentieren, der Mieter habe seine „Pflicht zur Sorgfalt oder Rücksichtnahme“ verletzt. Reagiert der Mieter auf die Abmahnung nicht und kümmert sich nicht darum, das fragliche Haustier wieder aus der Wohnung ausziehen zu lassen, ist sogar eine Kündigung innert 30 Tagen möglich.

Link-Tipp

Link-Tipp: Lesen Sie hier, wann und wie Vermieter fristlos kündigen können.

Ärger wegen Hund und Katze in der Mietwohnung: Streit schlichten lassen

Haustiere, Mietwohnung, Hund, Foto: AlexandarNakic/iStock
Dieser Beagle darf in der Regel bleiben. Zumindest, wenn im Mietvertrag keine Regelung zu Haustieren getroffen wurde. Foto: AlexandarNakic/iStock

Obwohl der Vermieter den Hund oder die Katze in der Mietwohnung erlaubt hat, kann es später dennoch zum Streit kommen – etwa, weil der Vierbeiner doch mehr Lärm macht als zunächst angenommen oder das Treppenhaus verunreinigt. Solche Konflikte müssen allerdings nicht zwangsläufig vor Gericht enden. Mieter und Vermieter sollten sich stattdessen an eine kantonale Schlichtungsstelle wenden. Eine paritätisch zusammengesetzte Kommission versucht dann, zwischen beiden Parteien eine Einigung herbeizuführen. Das Verfahren an sich ist kostenfrei, Mieter und Vermieter müssen nur ihre eigenen Kosten tragen, zum Beispiel für Kopien, Porto, Telefon oder gegebenenfalls ihren Rechtsanwalt.

Haustiere in der Mietwohnung: Auf behördliche Auflagen achten

Wer Haustiere halten will, sollte nicht nur auf das Wohlwollen seines Vermieters achten. Tierfreunde müssen sich auch an die Vorschriften des Kantonalen Veterinäramts halten. Dieses schreibt beispielsweise vor, das Wellensittiche nicht allein gehalten werden dürfen und das ein Kaninchen immer einen abgedunkelten Rückzugsraum zur Verfügung haben muss. Einige Wildtiere dürfen auch generell nur mit Zustimmung des Amts gehalten werden. So sind am Ende alle glücklich: Mieter, Vermieter – und Haustier.

22.08.2017


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