Grenzbepflanzung, Fallobst, Laub: Streit am Gartenzaun

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Streiten sich Nachbarn, ist oftmals der Garten das Thema – genauer gesagt die Grenzbepflanzung. Dem einen steht der Strauch zu nah am Gartenzaun, dem anderen flieg im Herbst zu viel Laub vom Nachbarsbaum aufs Grundstück. Welche Grenzabstände eingehalten werden müssen, wann der Nachbar das Laub entfernen muss und wem Fallobst gehört – ein Überblick.

Wachsen Hecken und Bäume zu nah an der Grundstücksgrenze oder werden nicht regelmäßig beschnitten, kann das zu Streit mit dem Nachbarn führen. Foto: auremar/fotolia.com

Mal spendet ein Baum zu viel Schatten, ein anderes Mal verstopft das Laub des Nachbarn die Regenrinne: Kommt es zum Streit zwischen Nachbarn, ist nicht selten der Garten der Grund. Oft geht es dabei um den Abstand der Hecken zum Nachbargrundstück. Bisweilen streiten sich Nachbarn auch, wer den Pflanzenschnitt übernehmen soll oder wie hoch bestimmte Hecken sein dürfen. Die Regeln rund um die Grenzbepflanzung sind in den Kantonen unterschiedlich geregelt.

Grenzbepflanzung und Abstandsvorschriften bei Bäumen und Sträuchern

Bei der Bepflanzung des Gartens sind die Regelungen von Kanton zu Kanton sehr unterschiedlich. Neben dem Abstand zur Grundstücksgrenze sind oft auch die Maximalhöhen der Pflanzen in den kantonalen Einführungsgesetzen zum Zivilgesetzbuch geregelt. Einige Beispiele: In Zürich müssen sogenannte Hochstämmer – dazu zählen etwa Birken, Tannen oder Linden, in einem Abstand von acht Metern zur Grundstücksgrenze gepflanzt werden, In Bern sind es dagegen nur fünf Meter. Zudem gibt es bestimmte Sonderregelungen in einzelnen Kantonen: So betrifft die Maximalhöhe in Bern nur Pflanzen, die näher an der Grundstücksgrenze stehen als eigentlich vorgeschrieben und alle anderen Pflanzen dürfen so hoch werden, wie sie wachsen.

Wenn der Mindestabstand nicht eingehalten wird

Wie nah ein Strauch oder Baum an der Grundstücksgrenze stehen darf, ist je nach Kanton unterschiedlich.

Werden die vorgeschriebenen Abstände bei der Anpflanzung von Bäumen und Sträuchern in der Nähe der Grundstücksgrenze ignoriert, hat das schon so manchen Nachbarschaftsstreit heraufbeschworen. Leider können sich Nachbarn nicht immer gütlich einigen, weshalb entsprechende Klagen vor Schlichtungsstellen Alltag sind. Was genau aber passiert, wenn ein Baum zu nah an der Grundstücksgrenze oder zu hoch gewachsen ist, hängt nicht nur von der jeweiligen kantonalen Regelung ab, vielmehr treffen die Schlichtungsstellen auch Einzelfallentscheidungen.

Wer sich gestört fühlt, sollte prinzipiell nicht zu lange mit einer Beschwerde warten. Denn: In den meisten Kantonen unterliegt der Beseitigungsanspruch einer gewissen Verjährung. Die beträgt etwa im Kanton Solothurn drei Jahre, in Bern sind es fünf Jahre. Der Anspruch auf Zurückschneiden ist dagegen in den meisten Kantonen (so etwa in Bern) nicht verjährbar.

Achtung

Ist ein Anspruch auf Beseitigung verjährt, bleibt er verjährt – und zwar auch dann, wenn zwischenzeitlich neue Nachbarn einziehen oder wenn der Grundstückseigentümer wechselt. Erst wenn ein neuer Baum oder Strauch gepflanzt wird, muss der Mindestabstand wieder eingehalten werden.

Laub, Fallobst, Sonnendieb: Häufige Streitfälle bei der Grenzbepflanzung

Grundstückseigentümer wollen in der Regel nicht auf die Bepflanzung ihres Gartens verzichten. Denn Hecken bilden meist einen harmonischen Abschluss des Grundstücks, Sträucher beleben das Gesamtbild der Aussenanlage und Bäume spenden nicht nur Schatten, sondern je nach Art auch Früchte. Jedoch wird oft das spätere Grössenwachstum eines Baumes, insbesondere die Ausladung seiner Krone, weit unterschätzt. Eventuell kann das zum handfesten Nachbarschaftsstreit führen. Vier der häufigsten Streitpunkte bei der Grenzbepflanzung:

1. Wenn Pflanzen das Sonnenlicht stehlen

Steht die Hecke zu dicht an der Grundstücksgrenze, hat der Nachbar das Recht, eine Versetzung oder zumindest das Stutzen auf die Maximalhöhe zu verlangen. Foto: delkoo/fotolia.com

Bäume und Hecken werden oftmals von Grundstückseigentümern als Sicht- und Lärmschutz gepflanzt. Und im Sommer bieten sie Schatten. Wenn dieser Schatten jedoch auch auf das Nachbargrundstück fällt, handelt es sich dabei um eine sogenannte „negative Immission“. Das bedeutet: Ein Nachbar entzieht dem anderen etwas, das er natürlicherweise eigentlich hätte, in diesem Fall Sonnenlicht. Laut Auffassung des Bundesgerichts (126 III 452) kann der betroffene Nachbar daher je nach Umfang der negativen Immission das Fällen oder Zurückschneiden der betroffenen Pflanzen verlangen. Und zwar selbst dann, wenn sie nach der entsprechenden kantonalen Pflanzvorschrift eigentlich richtig stehen.

2. Überhängende Äste, wuchernde Wurzeln

Hängen Äste über den Zaun darf der Nachbar unter Umständen selbst Hand anlegen und sie abschneiden. Vorher muss er aber dem Eigentümer Zeit geben, es selbst zu tun. Foto: hcast/fotolia.com

Noch eindeutiger ist die Gesetzeslage bei überhängenden Ästen oder über die Grundstücksgrenze wuchernden Wurzeln. Hierbei handelt es sich um direkte Eingriffe, sogenannte „materielle Immissionen“. Dem Geschädigten steht in diesem Fall sogar ein sogenanntes Kapprecht zu, er darf die fraglichen Pflanzen also an der Grundstücksgrenze kürzen. Allerdings muss er seinem Nachbarn vorab  die Gelegenheit und eine angemessene Frist setzen, die Äste oder Wurzeln selbst zu entfernen. Die Frist muss darüber hinaus die Vegetationszeit berücksichtigen, weil in aller Regel Bäume und Sträucher nur von Oktober bis März zurückgeschnitten werden sollten. Er darf von seinem Nachbarn also nicht verlangen, seine Pflanze durch unsachgemässen Beschnitt unwiederbringlich zu zerstören.

3. Laub – mit dem Herbst kommt der Streit

Prinzipiell ist Laubfall im Herbst ein normales Naturereignis und muss vom Nachbarn hingenommen werden. Foto: shootingankauf/fotolia.com

Geht es auf den Herbst zu und die Blätter von den Laubbäumen beginnen zu fallen, fängt meist der Ärger mit den Nachbarn an. Denn Laub fällt, wohin der Wind es trägt, manchmal eben auch auf das Nachbargrundstück. Von der Justiz wird der herbstliche Laubfall als normales Naturereignis verstanden. Daher müssen Nachbarn für gewöhnlich Laub, das von fremden Grundstücken auf ihres weht, dulden und selbst entfernen. Ein Anspruch auf Schadenersatz wegen Laubfalls besteht grundsätzlich nicht. Nur wenn von dem Laub tatsächlich ein Schaden ausgeht, kann der Geschädigte Verlangen, das sein Nachbar das Laub selbst entfernt oder die Kosten dafür trägt. Das könnte beispielsweise der Fall sein, wenn übermässiger Laubbefall regelmässig Dachrinnen oder Wasserabflussrohre verstopft und wenn dieser Laubfall für das Wohnquartier nicht ortsüblich ist.

 

4. Obst – wenn die Ernte zum Streitthema wird

Früchte von einem Baum, der auf dem Grundstück des Nachbarn steht, dürfen Eigentümer behalten. Foto: Viesturs Kalvans/fotolia.com

Obstbäume sehen im Frühjahr und Sommer nicht nur schön aus, sie bieten zum Herbst hin auch meist eine reiche Ernte. Wachsen die Äste jedoch über die Grundstücksgrenze des Nachbarn und duldet er dies, hat er ein sogenanntes Anriesrecht. Das bedeutet, dass er nicht nur etwaiges Fallobst an sich nehmen, sondern die Früchte auch pflücken und sich das Eigentum daran aneignen darf.

Fazit: Streit am Gartenzaun vermeiden

Wer seinen Garten bepflanzt, sollte sich vorher ausgiebig mit der Rechtslage in seinem Kanton befassen. Ausserdem ist es ratsam, den Abstand wenn möglich etwas grösser zu wählen, um Streitigkeiten aus dem Weg zu gehen. Steht  dagegen des Nachbarn Gewächs zu nah an der Grenze, sollte dieser erst einmal höflich gebeten werden, den Baum oder Strauch zurückzuschneiden beziehungsweise auf den passenden Abstand zurückzusetzen. Oftmals macht nämlich der Ton die Musik und ein Nachbarschaftsstreit kann so vermieden werden.


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