Die paritätische Lebensdauertabelle: So viel müssen Mieter für Schäden zahlen

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Sprünge im Lavabo, abgerissene Tapeten oder Brandlöcher im Teppich – sind beim Auszug Teile der Wohnung übermässig stark abgenutzt, muss der Mieter dafür aufkommen. Er schuldet dem Vermieter allerdings nicht die vollen Kosten für eine Neuanschaffung, sondern nur einen Anteil. Wie hoch dieser ist, geht aus der paritätischen Lebensdauertabelle hervor.

Lebensdauertabelle, Lavabo, Foto: peterschreiber.media/stock.adobe.com
Wenn es Schäden an der Mietsache gibt, stellt sich die Frage: Wer zahlt und wieviel? Antworten liefert die paritätische Lebensdauertabelle. Foto: peterschreiber.media/stock.adobe.com

Ziehen Mieter aus ihrer Mietwohnung aus, müssen sie die Wohnung in einem Zustand übergeben, der sich „aus dem vertragsgemässen Verbrauch ergibt“ – das regelt schweizweit das Obligationenrecht in Artikel 267. In der Praxis bedeutet das, dass der Mieter für kleine Kratzer im Parkett, vergilbte Tapeten oder sichtbare Umrisse von Bilderrahmen an den Wänden nicht haftbar gemacht werden kann. Gehen die Schäden aber darüber hinaus, kann der Vermieter den Mieter zur Kasse bitten. Als solche übermässigen Abnützungen gelten beispielsweise Risse im Lavabo oder Brandlöcher im Teppichboden.

Allerdings darf der Vermieter vom Mieter nicht die vollen Kosten für eine Neuanschaffung fordern, sondern nur einen anteiligen Betrag. Welcher Anteil das ist, ebendas regelt die paritätische Lebensdauertabelle. Paritätisch ist diese Tabelle übrigens deshalb, weil sie im Jahr 2006 gemeinsam von verschiedenen Verbänden wie dem Hauseigentümerverband, dem Schweizerischen Mieterverband und dem Schweizerischen Verband der Immobilienwirtschaft erarbeitet wurde.

Achtung

Ausnahme Kleiner Unterhalt

Eine Ausnahme von den Regeln zur üblichen Abnutzung ist der sogenannte kleine Unterhalt. Kleinere Mängel in der Wohnung, wie beispielsweise defekte Duschschläuche oder Glühbirnen, müssen vom Mieter immer selbst ausgebessert werden. Die paritätische Lebensdauertabelle findet hier demnach keine Anwendung.

Das geht aus der paritätischen Lebensdauertabelle hervor

In der paritätischen Lebensdauertabelle ist die Lebensdauer sämtlicher typischerweise mitvermieteter Teile einer Wohnung aufgeführt. Ein Heizkessel hält demnach beispielsweise 20 Jahre, Zementplatten auf dem Balkon haben eine Lebensdauer von 30 Jahren und ein Keramik-Lavabo ist erst nach 35 Jahren vollständig amortisiert. Ist ein Lavabo also bei Auszug beschädigt, muss der Mieter nur noch einen Teil der Neuanschaffung bezahlen – oder gar nichts, wenn das Lavabo schon 35 Jahre oder älter ist. Einige Fallbeispiele:

Fallbeispiel 1: Der Spannteppich mit den Löchern

Paritätische Lebensdauertabelle, Teppich, Spannteppich, Foto: istock.com/Bryngelzon
Brandlöcher im Teppich gehen über die übliche Abnützung hinaus – hier muss der Mieter zahlen, wenn die Lebensdauer des Teppichs ein bestimmtes Mass noch nicht überschritten hat. Foto: istock.com/Bryngelzon

Diego Odermatt hat vor sechs Jahren eine hübsche Wohnung in Zürich gemietet. Zum Einzug hat der Vermieter sie mit einem neuen Spannteppich ausgestattet. Herr Odermatt ist aber nicht nur ein starker Raucher, sondern noch dazu ein ungeschickter. Als er aus der Wohnung auszieht, stellt der Vermieter fest, dass der Teppich im Wohnzimmer an mehreren Stellen Brandlöcher hat – er muss ausgetauscht werden. Der neue Teppich hat seinerzeit 2‘000 Franken gekostet. Ersetzen muss Herr Odermatt nun lediglich vier Zehntel des Preises, denn ein Spannteppich in mittlerer Qualität hält laut Lebensdauertabelle zehn Jahre – sechs davon hat er ja bereits auf dem Buckel. Herr Odermatt schuldet seinem Vermieter also 800 Franken.

Fallbeispiel 2: Das zerstörte Lavabo

Lavabo, paritätische Lebensdauertabelle, Foto: Ruletka/stock.adobe.com
Diesen Schaden hat eindeutig der Mieter verursacht. Wenn das Lavabo aber ein gewisses Alter überschritten hat, muss er trotzdem nicht dafür aufkommen. Foto: Ruletka/stock.adobe.com

Leandro Gerber ist vor vier Jahren in ein kleines Apartment in Bern gezogen. Herr Gerber ist leidenschaftlicher Parfüm-Sammler. Nur leider sind ihm im Verlauf der Mietzeit immer wieder kleine Fläschchen ins Lavabo gefallen. Das hat er beim Einzug von seinem Vormieter übernommen, der es wiederum von seinem Vormieter übernommen hat. Insgesamt ist das Lavabo über 40 Jahre alt. Herr Gerbers Vermieter muss das Lavabo nun zwar austauschen – die Kosten dafür muss er aber selbst tragen. Denn das Lavabo hat seine in der Lebensdauertabelle festgelegte Lebensdauer von 35 Jahren bereits überschritten.

Fallbeispiel 3: Der zu heisse Kühlschrank

Paritätische Lebensdauertabelle, Kühlschrank, Foto: IntelWond/stock.adobe.com
Sieht noch gut aus, kühlt aber nicht mehr. Hat der Kühlschrank seine Lebensdauer noch nicht überschritten und hat der Mieter den Schaden durch unsachgemässe Behandlung verursacht, muss er dafür zahlen. Foto: IntelWond/stock.adobe.com

Fallbeispiel 3: Der zu Olivia Rochat feiert gerne – und sie feiert lang. Wenn sie am Abend nach Hause kommt, holt sie sich gerne noch einen Snack aus dem Kühlschrank, vergisst aber allzu häufig, die Tür wieder zu schliessen. Inzwischen ist der Motor durchgebrannt und das Gerät versagt seinen Dienst. Frau Rochat verlangt von ihrem Vermieter jetzt Ersatz. Ein Kühlschrank mit integriertem Tiefkühlteil hält laut paritätischer Lebensdauertabelle zehn Jahre. Das Gerät von Frau Rochat ist allerdings erst zwei Jahre alt, neu hat es 1‘800 Franken gekostet. Der Vermieter ist jetzt zwar in der Pflicht, das Gerät zu ersetzen, kann aber acht Zehntel des Preises von Frau Rochat verlangen. Diese schuldet ihm jetzt also 1‘440 Franken.

Paritätische Lebensdauertabelle beziehen

Sowohl für Mieter als auch Vermieter ist es sinnvoll, auf die paritätische Lebensdauertabelle zurückgreifen zu können. Sowohl der Schweizerische Mieterinnen- und Mieterverband als auch der Hauseigentümerverband Schweiz (HEV) stellt Online-Tools zur Verfügung, mit Hilfe derer sich Mieter und Eigentümer über die Lebensdauer einzelner Einrichtungsgegenstände informieren können. Zudem kann die Tabelle bei beiden Verbänden für ein geringes Entgelt in gedruckter oder digitaler Fassung bestellt werden.

Fazit

Geht etwas zu Bruch, sollten sich Vermieter über die Lebensdauertabelle informieren, wie viel Geld ihnen ihr Mieter jetzt schuldet. Und Mieter sollten prüfen, ob der verlangte Betrag auch korrekt ist. Halten sich beide Parteien an die Lebensdauertabelle, können Auseinandersetzungen vor der Schlichtungsstelle vermieden werden.


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1 Kommentar

philippe am 18.02.2019 11:27

Sehr geehrte Damen und Herren,

Kann ich Die paritätische Lebensdauertabelle herunterladen? Und wenn ja, wo?

auf Kommentar antworten

Immowelt-Redaktion am 18.02.2019 11:50

Hallo und vielen Dank für Ihren Kommentar,

hierzu wenden Sie sich am besten an den Schweizerische Mieterinnen- und Mieterverband oder den Hauseigentümerverband Schweiz (HEV).

Mit freundlichen Grüssen

die Immowelt-Redaktion

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